15.11.17 Entgleisung in Elmshorn - Chaos in S-H

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    • 15.11.17 Entgleisung in Elmshorn - Chaos in S-H

      In Elmshorn, einem neuralgischen Punkt des Schleswig-Holsteiner Eisenbahnnetzes, welches im Wesentlichen aus zwei Nord-Süd-Verbindungen besteht, ist es am Mittwochmorgen zu einer Entgleisung der Regionalbahn von Hamburg-Altona nach Westerland gekommen. Dadurch waren die wichtigsten Direktverbindungen von Hamburg nach Dänemark, Kiel, Flensburg (Jütlandlinie) sowie Heide, Husum und Westerland (Marschbahn) unterbrochen. Auf diesen Strecken gab es fast jedes Jahr für die Pendler Probleme, wenn zwischen Pinneberg und Tornesch infolge Schneebruchs Bäume ins Gleis fielen und man es wieder einmal nicht schaffte, einen SEV zu organisieren: Eine direkte Busverbindung zwischen Pinneberg und Elmshorn existiert nicht.

      welt.de/regionales/hamburg/art…-Zug-Entgleisung-aus.html

      sat1regional.de/aktuell/articl…verkehrschaos-249797.html







    • Tjoa, da ist wohl irgendwas gehörig schief gelaufen. Die hatten da die Tage 'ne Betra laufen zur Weichenerneuerung und wie man auf dem letzten Video sehr schön sehen kann, war man damit wohl nicht ganz fertig geworden... wird man nun klären müssen, was da schief gelaufen ist. Spekulation: Der Fdl wähnte die Weichenverbindung wieder befahrbar, sei es durch ein Missverständnis in der Kommunikation mit dem "4.2." oder durch Vergesslichkeit oder so etwas..

      Es gibt halt in Schleswig-Holstein wirklich kaum eine bessere Weichenverbindung zum Entgleisen, wenn man das halbe Land eisenbahntechnisch lahmlegen will. Nach nunmehr über einem Jahr Pendlerfrust wegen Ersatzverkehren auf der Marschbahn kommt das natürlich sehr gelegen - auch, wenn die Züge auf die Insel weiterhin rollen können.
    • Frank L schrieb:

      Sind die Ursachen für die Entgleisung denn schon bekannt?
      Naja, offiziell noch nicht, aber man sieht auf den Videos und Bildern deutlich, dass man die Weichen zwar getauscht, aber noch nicht wieder verbunden hatte, als der Zug drübergefahren ist. An anderer Stelle hatte ein Tf, der kurz vorher durch Elmshorn gefahren ist, berichtet, dass da tatsächlich ein Stück Gleis fehlte.

      Edit, Nachtrag: Hier sieht man den Zustand von gestern Abend nach Bergung des Zuges: bilder-hochladen.net/i/m24y-v-1007.jpg - so wird es wohl auch ausgesehen haben, als der RE da in den Schotter gefahren ist...

      JakobF schrieb:

      Julian, warum ist diese Stelle so besonders? Ich kenne mich dort nicht aus.
      Durch Elmshorn muss alles durch, was von Hamburg kommend an die Westküste (-> Itzehoe -Husum - Westerland) oder Richtung Dänemark (-> Neumünster - Flensburg - Padborg - Skandinavien) will, also quasi der komplette Güterverkehr nach Skandinavien. Es gibt kaum eine andere Möglichkeit, da sinnvoll drumherum zu fahren.



      Die Strecke von Eidelstedt nach Neumünster ist mehr oder weniger eine eingleisige Nebenbahn, außenrum über Lübeck und Kiel ist nur halb elektrifiziert. Ein bisschen was könnte man noch über die Fehmarn-Fähre nach Dänemark bringen, aber das ist dermaßen umständlich, dass man das wohl nicht machen wird.
      Disclaimer: Die Karte ist uralt und stimmt nicht mehr mit den heutigen Verhältnissen überein, Hamburg-Lübeck z.B. ist seit 2008 elektrifiziert.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von JulianG ()

    • JulianG schrieb:

      Ein bisschen was könnte man noch über die Fehmarn-Fähre nach Dänemark bringen,
      Meinst du den GV? Kaum machbar, da die Scandlines-Bahnfähren auf dem Fehmarnbelt nur noch ein Stellgleis haben, die hauptsächlich als Frachtfähren eingesetzte Holger Danske und Kronprins Frederik wurden zwar ursprünglich auch als Eisenbahnfähren gebaut, aber ob die nach ihrem Umbau noch Stellgleise haben, weiss ich nicht, bei letzterer eher unwahrscheinlich, da sie beim letzten Umbau eine neue Heckrampe ohne Ladegleise bekommen hat, abgesehen davon liegen die Güter-Gleisanlagen in Puttgarden seit Jahren brach. Die jetzigen Doppelendfähren können maximal einen ICE 605 oder zwei DSB MF "Gumminasen" als Doppelzug aufnehmen.
    • Man muß sich da nicht nur die bahntechnische Geografie Schleswig-Holsteins, sondern auch den Gleisplan des Bahnhofes Elmshorn anschauen, um festzustellen, daß beide von der Substanz her ihrem Störpotential offensichtlich nicht gerecht werden.

      Der Bahnhof Elmshorn verzweigt die Strecken von Hamburg nach Kiel, Flensburg und Skandinavien einerseits und Heide, Niebüll und Westerland (Marschbahn) andererseits, die beide zweispurig ausgebaut sind (dazu kommt das nördlich der DB-Bahnsteige isoliert liegende Stumpfgleis der AKN-Strecke nach Barmstedt und Ulzburg).
      Diese Verzweigung erfolgt über drei Gleise, die für die Reisenden durch einen Seitenbahnsteig (Züge Richtung Kiel, Flensburg, Itzehoe und Westerland, Gleis 1) und einen Mittelbahnsteig erschlossen sind. Die östliche Kante des Mittelbahnsteiges (Gleis 2) liegt am südwärts führenden Gleis der Strecke Hamburg - Flensburg / Kiel, dort halten auch die Züge der Regionalbahn, die von Hamburg-Altona kommend in Elmshorn enden und wieder zurückfahren.

      In Gleis 2 liegt nördlich des Bahnsteiges zunächst die Weiche des Verbindungsgleises mit Gleis 1 und danach die Weiche, die in das nordwärts führende Gleis der Marschbahn abzweigt. Und jede dieser beiden Weichen hat - wie hier geschehen - das Potential, den hauptsächlichen Verkehr zweier Bundesländer miteinander und außerdem den internationalen Güterverkehr zum Erliegen zu bringen. Der Bahnhof Elmshorn hätte über sein Gleis 3 theoretisch noch den Verkehr in die Marschbahn abwickeln bzw. durchlassen können, weil das ein ganzes Stück südlich der Unfallstelle vom südwärts führenden Gleis der Strecke Hamburg - Flensburg / Kiel abzweigt und dann zum südwärts führenden Gleis der Marschbahn wird. Verbindungsgleise von den bzw. in die fahrtrichtungsentsprechenden Gleise sind m. W. vorhanden. Warum man die Züge nicht hat wenigstens durchfahren lassen, wenn man schon keinen Publikumsverkehr auf dem Bahnsteig haben wollte, erschließt sich mir nicht.

      Das von JulianG dankenswerterweise gezeigte Bild

      Edit, Nachtrag: Hier sieht man den Zustand von gestern Abend nach Bergung des Zuges: bilder-hochladen.net/i/m24y-v-1007.jpg - so wird es wohl auch ausgesehen haben, als der RE da in den Schotter gefahren ist ...

      kann kaum den Zustand zeigen, der zum Zeitpunkt des Unfalles bestanden hat, weil die Züge nach Westerland alle in Elmshorn halten und der Tf nach dem Halt nicht mutwillig in den Schotter gefahren wäre. Das kann man so nicht stehenlassen; auf dem Vorschaubild des vorletzten Videos ist zu sehen, daß es damals im Gleis 2 (auf dem auf dem verlinkten Bild der grüne Stadler-Triebzug der Nordbahn steht) noch die Weiche des Verbindungsgleises von Gleis 1 gab, die dann wohl ausgebaut wurde, um den Zugverkehr schnell wieder aufzunehmen.

      Die von JulianG erwähnte Strecke Eidelstedt - Kaltenkirchen - Neumünster ist das verbliebene Rudiment der Strecke Altona - Kaltenkirchen - Neumünster (daher das Kürzel "AKN" der Eisenbahngesellschaft, deren Gesellschafter die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein sind). Mit dem Bau der S-Bahn nach Pinneberg wurde der Anfangspunkt in den S-Bahnhof Eidelstedt verlegt. Das heißt, daß die AKN die Bahnsteige der S-Bahn mitnutzt und dabei deren Züge regelmäßig ausbremst. Zwar wurde die Strecke schon weitgehend zweigleisig ausgebaut, doch die Art der dabei verwendeten Schwellen läßt massive Zweifel aufkommen, ob der Gleiskörper heute noch einen Güterverkehr vertragen könnte, wenn die Züge denn in der Lage wären, irgendwo südlich Eidelstedts auf die Gleise der S-Bahn zu gelangen und wenn sie die Steigung am Überwurfbauwerk nördlich des Bahnhofes Eidelstedt befahren dürften.
      Ob die Strecke von Husum nach Jübek als Ausweichstrecke für den Skandinavienverkehr dienen konnte, würde man die Güterzüge in Elmshorn über Gleis 3 in die Marschbahn gelassen haben, weiß ich nicht. Die von Heide über Hohenwestedt nach Neumünster müßte dazu eigentlich in der Lage sein, weil man in den achtzigern aus militärtaktischen Erwägungen die Hochbrücke bei Grünenthal ersetzt hat, anstatt sie einfach stillzulegen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Peter I. ()

    • Peter, das ist schlicht falsch und mit einer ganz kurzen Recherche widerlegbar. erail.era.europa.eu/occurrence…many/Summary/ERAIL-PUBLIC - zu viel des Spekulatius also, direkt die offizielle Unfallerstmeldung des EBA in die ERAIL-Datenbank sagt nämlich im Klartext, was passiert ist.
      Wir fahren bei der Bahn auf Signal und nicht auf Sicht. Deswegen hat er auch nicht mehr rechtzeitig davor angehalten - das hat mit "freiwillig in den Schotter" nix zu tun. Gebremst hat er Augenzeugenberichten zufolge noch.
      Triebfahrzeugführer im Streckendienst der DB Fernverkehr in Frankfurt/Main
      BR: 401 ("ICE 1"), 402 ("ICE 2"), 403 ("ICE 3"), 406 ("ICE 3M"/"ICE 3MF"), 407 ("neuer ICE 3"), 411 ("ICE T"), 415 ("ICE T")
    • Hallo Peter,
      das Bild von JulianG zeigt den Zustand nach der Schnell-Reparatur nach der Entgleisung. Zum Zeitpunkt des Unfalls war die Weiche noch mitsamt Herzstück vorhanden, jedoch fehlte das Verbindungsstück zwischen beiden Weichen, da zuvor eine Weiche erneuert wurde. Mit Erneuerung der zweiten Weiche sollte diese Verbindung wieder eingebaut werden. Warum die Weichenverbindung schon vorher befahren wurde, ist nun Bestandteil der Ermittlungen von Bundespolizei und der Unfalluntersuchungsstelle.

      Der Tf ist nach bisherigen Erkenntnissen regular signalgeführt abgefahren. Da es zudem dunkel war, ist das Fehlen des Gleisstückes nicht gleich zu erkennen. Ich finde es eher bemerkenswert, dass der Tf dennoch so zeitig das Fehlen des Verbinders bemerkt und mit dem Einleiten der Schnellbremsung womöglich schlimmeres verhindert hat.
    • Die Kollegen haben schon alles Richtige und Wichtige gesagt, nur eins noch dazu:

      Peter I. schrieb:

      Ob die Strecke von Husum nach Jübek als Ausweichstrecke für den Skandinavienverkehr dienen konnte, würde man die Güterzüge in Elmshorn über Gleis 3 in die Marschbahn gelassen haben, weiß ich nicht.
      Grundsätzlich ja, das hat man ja schon häufiger (auch planmäßig) gemacht. Problem ist halt, dass man dann den Personenverkehr komplett abbestellen muss für die Zeit, da die Strecke durchgängig mit Zügen der Relation Husum - Rendsburg - Kiel belegt ist.