Integral S5 D95 / Baureihe 609.1

  • Nach einiger Zeit Funkstille hinsichtlich neuer AddOns meinerseits gibt es nun wieder mal etwas zu zeigen. Parallel zu der Arbeit an der Strecke mit Jakob bin ich an einem kleinen Nebenprojekt zugange.


    Am 25.07.2020 ging im Bayerischen Oberland eine 22-jährige Ära zu Ende: Die seit mehr als zwei Jahrzehnten eingesetzten exotischen Triebfahrzeuge der Baureihe 609.1 „Integral S5 D95“, schon längst als Teil des Oberlands betrachtet, wurden durch neue Lint 54 ersetzt. Aus diesem Anlass habe ich den alten Loksim-Führerstand aus dem Jahr 2011 aus der Bestandskiste ausgegraben und vollständig neu aufgearbeitet.




    Mit der neuen Version wird der Führerstand in 16:9 Full-HD angeboten werden. Außerdem wird es Änderungen bei den Sounds sowie den Antriebs- und Bremsdaten geben. Hinzu kommen weitere Kleinigkeiten, wie den automatischen Wechsel zwischen Tag- und Nachtführerstand, über den die alte Version noch nicht verfügte. Ganz fertig ist der Führerstand aber noch nicht, zum Beispiel sind mir die beiden Displays ein Dorn im Auge, zu deren Nachbildung mir noch notwendige Fotos bzw. Unterlagen fehlen.


    Passend dazu bot es sich zufällig an, den Integral in Zusammenarbeit mit Moritz Kuhlmann auch als 3D-Objekt zu verwirklichen. So begann also vor Kurzem mein Einstieg in den Fahrzeugbau mit Blender, auch wenn ich noch viel Übung brauchen werde.






    Erste Schritte: Vermessung des Fahrzeugs und Aufbau der Grundform



    Schon deutlich besser sieht die fast fertige Form des Triebkopfs aus, es können also bereits die ersten kleineren Dinge angegriffen werden.

    Im Folgendem möchte ich euch über die Entwicklung von Führerstand und Objekt auf dem Laufendem halten und parallel dazu abschnittsweise etwas zu dem realen Integral erzählen – ein Triebzug, über den ich persönlich eine deutliche bessere Meinung habe, als sein allgemeiner Ruf ist.


    Der Integral wurde ursprünglich zum Einsatz auf der Wiener S-Bahn in einem innovativen modularen Konzept bestehend aus Antriebs-/Laufwagen und fahrwerkslosen Sänften entwickelt. Mithilfe dieses Systems hätten unterschiedlichste Varianten gebaut werden können – elektrisch oder dieselgetrieben, 3- bis 11-teilig oder sogar doppelstöckig. Bestellt wurden lediglich 17 diesel-hydraulischgetriebene Exemplare durch die damals neu gegründete Bayerische Oberlandbahn GmbH (BOB). Und zugegebenermaßen gab es zum Betriebsstart 1998 keine gute Aussichten für den Integral.


    Bereits nach kurzer Zeit traten erhebliche technische Mängel auf, weshalb die Züge vorerst aus dem Verkehr genommen wurden und der österreichische Hersteller – die Integral Verkehrstechnik AG Jenbach (IVT) – aufwendig nachbessern musste. Nach einer vollständigen Überarbeitung der 17 Fahrzeuge konnten diese 2001 wieder in den Regelbetrieb aufgenommen werden. Seitdem liefen die Züge durchaus zuverlässig. Pläne, den Integral auch durch andere EVU’s zu beschaffen, wurden aufgrund der anfänglich massiven Mängel verworfen. Der durch die Probleme hervorgerufene Verlust bezifferte sich auf eine zweistellige Millionensumme, was die Schließung der IVT bedeutete.


    Einige werden es schon gehört haben: Nach dem Aus bei der BOB gingen einige Garnituren (nach aktuallem Stand mindestens zwölf) an die Regiobahn nach Nordrhein-Westfalen über und werden dort auf der S28 eingesetzt. So kommen die Züge in gewisser Maßen doch noch zu ihrer ürsprünglichen Bestimmung – dem Einsatz als S-Bahn.


    Grüße aus Oberbayern,

    Simon

    Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorn herein ausgeschlossen erschien.

    Albert Einstein

  • Nach dem schwierigen Start der Triebwagen aus Tirol wurden sie zum Symbol einer kleinen Revolution des Nahverkehrs südlich von München. Mit den neuen Fahrzeugen konnte nun ein Flügelkonzept verwirklicht werden, dass erstmals umsteigefreie Verbindungen von München nach Bayrischzell, Lenggries und Tegernsee ermöglichte. Von der Landeshauptstadt aus, genauer vom Starnberger Flügel des Hauptbahnhofs, machte sich also eine Dreifachtraktion auf den Weg Richtung Süden. Nachdem noch der ein oder andere Halt der S-Bahn-Linie S7 mitgenommen wurde, ging es spätestens nach Solln non-stop und über die bekannte Großhesseloher Brücke nach Holzkirchen. Der Zugteil nach Bayrischzell separierte sich hier, die beiden anderen Triebwagen verkehrten gemeinsam bis nach Schaftlach und wurden dort schließlich in die Fahrtrichtungen Lenggries und Tegernsee aufgeteilt. Dieses Flügelkonzept gibt es so auch heute noch, aber eben leider nicht mehr mit dem Integral.


    Das Objekt macht weiter Fortschritte. Der Hauptunterschied zu dem oben gezeigten Bild ist die Führerstandseinrichtung und der modellierte Scheibenwischer.



    Im Jahr 2002 war VT 116 in Berlin zu Gast auf der Internationalen Fachmesse für Verkehrstechnik, der InnoTrans, und hatte damals einiges zu bieten. Die Einstiege sind mit einer Höhe von 780 mm barrierefrei. Mit einer Wagenkastenbreite von 2 950 mm wird die Lücke zum Bahnsteig möglichst klein gehalten und es kann auf Spaltüberbrückungen verzichtet werden. Beides zusammen macht einen angenehmen und behindertenfreundlichen Einstieg möglich. Breite Türen mit einer darüber angeordneten Zugzielanzeige und ein großzügiger Einstiegsbereich im Innenraum mit beheiztem Fußboden sorgen für einen schnellen Fahrgastwechsel. Der Innenraum wirkt modern und aufgeräumt, aber dennoch angenehm und einladend. Mit an Bord ist ein 1.-Klasse-Bereich, ein Mehrzweckabteil, eine behindertengerechte Toilette und eine Kinderspielecke.


    Hier noch der oben gezeigte Stand des Triebkopfes aus einer anderen Perspektive. Deutlich zu erkennen sind auch die Umrandungen um die Scheinwerfer. Jene sind aus Gummi gefertigt und notwendig, damit das Licht nicht an der Frontscheibe nach innen reflektiert wird.



    Eine interessante technische Neuheit des Integrals war auch das sogenannte "aktive Laufwerk", oder auch "virtuelles Drehgestell" genannt. Der Zug verfügt nicht wie üblich über komplette Drehgestelle, sondern über einzelne luftgefederte Radsätze. Diese können in Kurven verstellt werden, was sowohl Abnutzung an Rad und Schiene als auch Kurvenfahrgeräusche verringert.


    Grüße,

    Simon

    Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorn herein ausgeschlossen erschien.

    Albert Einstein

  • Am 25.07.2020 ging im Bayerischen Oberland eine 22-jährige Ära zu Ende: Die seit mehr als zwei Jahrzehnten eingesetzten exotischen Triebfahrzeuge der Baureihe 609.1 „Integral S5 D95“, schon längst als Teil des Oberlands betrachtet, wurden durch neue Lint 54 ersetzt. Aus diesem Anlass habe ich den alten Loksim-Führerstand aus dem Jahr 2011 aus der Bestandskiste ausgegraben und vollständig neu aufgearbeitet.

    Und genau ein Jahr danach sollte dieses Datum für mich Anlass sein, mich bei euch mal wieder in dieser Angelegenheit zu melden. Zugegeben, das Integral-Projekt ist in letzter Zeit ein wenig eingeschlafen, aber glücklicherweise auch nicht viel mehr als alle anderen Loksim-Projekte. ;-) Nun gibt es aber endlich wieder ein paar Fortschritte, vor allem hinsichtlich des Führerstands, zu berichten.


    Mir ist es inzwischen gelungen, die beiden Displays zu rekonstruieren – nicht zuletzt durch die freundliche Unterstützung der Bayerischen Oberlandbahn, die mir entsprechende Unterlagen zukommen ließ. So sieht der Führerstand also aktuell aus, ganz zu meiner persönlichen Zufriedenheit:




    Im rechten Monitor werden in der Realität unter anderem eine Zeituhr, Ist-Geschwindigkeit (digital), Störmeldungen, FIS-Daten, Brems- und Türstatus, Tankfüllung und Motordrehzahl angzeigt. Ich habe auch bereits eininge Loksim-Funktionen (insofern möglich) in dieses Dispaly integriert, wenn auch nur bei genauem Hinsehen zu erkennen. Aber: Sie sind immerhin da!


    Im linken Monitor wird das Bild der Außenkameras ausgegeben, die eine Rückspiegelfunktion besitzen. Hier wird bei der einfachen Traktion je ein Bild für die linke und eines für die rechte Seite des Zuges angezeigt. Darunter würden analog die Aufnahmen für die zweite Garnitur dargestellt werden. Die Kamerabilder aller weiteren Fahrzeuge (bis zu fünf Integrale können miteinander gekoppelt werden) können durch Blättern mit den Pfeiltasten abgerufen werden.


    Derzeit muss vor allem noch eine Nachtversion erarbeitet werden, danach kann der Führerstand bald schon den Betatestern vorgestellt werden.


    Beim Objekt gilt es für Moritz und mich noch das ein oder andere Problem zu lösen. Das ist auch eine Frage, wann wir beide endlich wieder gemeinsam Zeit dazu finden. In meinem nächsten Beitrag hier werde ich euch aber auch wieder aktuellere Screenshots präsentieren können.


    Der Integral aktuell


    Abschließend möchte ich noch eine ganz aktuelle Meldung aus der realen Welt machen: Der Triebzug VT 102 hat als erster unter seinem neuen Eigentümer, der Regiobahn Fahrbetriebsgesellschaft mbH, eine Hauptersuchung im Betriebswerk Lenggries bekommen. Er wurde erst vor ein paar Tagen, am 20. Juli, wieder zurück nach Mettmann gebracht. VT 107 ist aus dem Plandienst leider ausgeschieden und dient als Ersatzteilspender für die nun sukzessive folgenden Revisionen. Die Regiobahn ist übrigens nach eigenen Angaben inzwischen Halter aller 17 Integral-Züge.


    Grüße aus Oberbayern,

    Simon

    Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorn herein ausgeschlossen erschien.

    Albert Einstein