Bahnbusse – oder: Was ich heute so mache. ;-)

  • Servus zusammen, mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Ich war ja längere Zeit nicht mehr aktiv im Loksim-Forum und das hat mittlerweile zwei zusammen rund 20 Tonnen schwere Gründe, denn ich habe ja vom virtuellen ins überwiegend materielle Hobby gewechselt.


    Vor rund drei Jahren habe ich den Hallertauer Lokalbahnverein e.V. als längerfristiges Museumsprojekt Schiene/Bahnbus mitgegründet und bin seither erster Vorstand. Nachdem wir hier mit Wolnzach Bf - Geisenfeld 1953 die erste aus wirtschaftlichen Gründen "angebotsumgestellte" Lokalbahn Bayerns hatten und auch ein großer Teil des früheren Hallertauer Netzes Wolnzach Bf - Enzelhausen - Mainburg/Langenbach (- Freising) bis auf zwei kurze Abschnitte längst nicht mehr besteht, die aber derzeit weder zur Disposition stehen noch eine SPNV-Reaktivierung wirklich zielführend wäre, war natürlich die klassische Herangehensweise "Lasst uns eine Strecke wiederbeleben" nicht mehr so wirklich möglich. Da wir zudem etwas eigenes machen wollten, das keinem anderen Verein potentiell die Butter vom Brot nimmt, nahmen wir uns für den Anfang ein von Eisenbahnfreunden gerne verdrängtes Thema vor, nämlich die bei uns vor Ort mitbegründete Epoche der Bahnbusse. Es begann auch damit, dass wir mal als Ergänzung einer Sonderfahrt einen Bahnbus chartern wollten, es aber in ganz Bayern keinen gab, also selbermachen! Somit war unsere "Marktlücke" gefunden.


    Dann das Thema mal recherchieren, wie sind die technischen, rechtlichen und historischen Rahmenbedingungen? Es soll ja kein Mickey-Maus-Projekt werden. Festgestellt haben wir dann recht schnell, dass wir uns auf der Suche nach ortstypischen Baureihen auf die "Volumenmodelle" von Kässbohrer konzentrieren müssen und da hatten wir selbst unter den Museumsbussen schon wieder einen Bereich gefunden, den keiner macht: So gut wie alle Vereine bundesweit mit Bahnbussen fahren die (viel häufigeren) Standardbusse von Mercedes-Benz oder MAN, in der Region München/Ingolstadt fuhr die Bahn seit den sechziger Jahren (wie ich es aus RVO-Zeiten selbst noch kannte) fast ausnahmslos die Ulmer Marke mit dem großen K.


    Nur wenige Wochen nach der Vereinsgründung wurden wir Mitte 2017 darauf aufmerksam, dass im bekannten Mühldorfer "Dieselparadies" ein sehr alter Setra S 215 UL im Schülerverkehr laufen soll, der tatsächlich noch aus Bundesbahnbeständen stammt. Es stellte sich heraus, dass sich hinter diesem dank des Firmenchefs hervorragend erhaltenen, weißen Schulbus der ehemalige Passauer DB 23-474 von 1984 verbirgt und der Bus abzugeben ist. Mit Beginn der Sommerferien im August 2017 und der fachlichen und technischen Unterstützung durch den Omnibus-Club München e.V. und etwas geliehenem Geld der Mitglieder konnte unser "Altblech-Startup" den Bahnbus übernehmen. Schon im folgenden Jahr und ein paar Ersatzbleche später erstrahlte er dann wieder im frischem Himbeerrot (RAL 3027, wie es Bahnbusse ab 1983 trugen) und ist seither wieder eindeutig als Bahnbus der achtziger Jahre erkennbar.


    Hier sehen wir das gute Stück mit einer Laufleistung von ca. 1,06 Mio. Kilometern im Sommer 2019 im Rahmen einer Sonderfahrt am Mainburger Busbahnhof, dessen Dach einem Hopfengarten nachempfunden ist. Genau auf diesem Gelände befand sich übrigens bis 1995 auch der Bahnhof der niederbayerischen Kleinstadt, der viele Jahrzehnte Betriebsmittelpunkt der Hallertauer Lokalbahnen war. Hier waren als Außenstelle des Bw Ingolstadt einst mehr oder weniger lang u.a. bayerische D VII, D XI, GtL 4/4, Pt 2/3 sowie preußische G10 und später VT 70 und VT 95 stationiert:



    Seither haben wir einige Sonderfahrten mit oder auch ohne Eisenbahn veranstaltet, leider auch schon einmal einen Schienenersatzverkehr in eigener Sache, sind Auftragsfahrten gefahren, zum Teil bis Italien (!) und sind auch auf mehreren Ausstellungen sowohl der Eisenbahn- wie auch der Auto-Oldtimerbranche gewesen. Als praktisch hat sich der Bus auch in der vereinsinternen Logistik erwiesen ... *gg*


    Letzten Herbst zwischerten wieder die Vögel von den Dächern, diesmal sollte der letzte uns bekannte Bahnbus vom Vorgängertyp Setra S 140 ES in möglichst gute Hände abgegeben werden. Als es erneut gelang, vor allem das Finanzielle für den Kauf zu regeln, kam vor rund zwei Wochen auch der vermutlich ehemals Göttinger DB 23-403 zu uns, der von einem Regensburger Vorbesitzer seit 2004 schon als klassisch purpurroter Bahnbus lackiert wurde.


    Hier bei der Überführungsfahrt am Bahnhof Wolnzach Markt, dem heutigen Endbahnhof der Mainburger Strecke, in recht stilechter Umgebung, wie ich finde:



    Der Setra S 140 ES hat derzeit zwar eine frische mängelfreie HU, allerdings sollen vor der Wiederinbetriebnahme die vorhandenen Rostschäden behoben werden. Da weiß noch keiner, wie lange das dauert. Längerfristig sollen die beiden Bahnbusse, wie schon gesagt, mal in ein derzeit konzeptioniertes Museumsprojekt Schiene/Bahnbus nördlich von München integriert werden. Mal sehen wie das dann aussieht und wie's weitergeht.


    Leider habe ich es selbst bis jetzt immer noch nicht geschafft, mal mit dem Führerschein der Klasse D anzufangen ... Ein Buch zur Geschichte eines Bahnhofs hab ich in den letzten Jahren nämlich auch geschrieben, das ist allerdings noch nicht raus. Naja, jetzt wisst ihr jedenfalls, wo ich abgeblieben bin. Und möglich ist, dass bei einem zukünftigen Vereinsprojekt auch Loksim wieder eine Rolle spielt. Ich hoffe, ich weiß dann noch wie's geht. ;)


    Wer mehr wissen möchte, dem sei Facebook und unsere Webseite empfohlen. Dort könnt ihr aktuell übrigens auch für die Sanierung des Setra S 140 ES spenden, wenn ihr wollt.


    Viele Grüße
    Andreas

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